Der Hallux valgus

Hallux valgus
vor der Operation

Hallux valgus
nach der Operation

Der Hallux valgus, umgangssprachlich schlicht „Hallux“ genannt, ist die häufigste Vorfussdeformität. Hallux bedeutet eigentlich Grosszehe, valgus bedeutet deren Abweichung zur Körperaussenseite, also zu den übrigen Zehen hin. Der Hallux valgus kommt in allen Altersklassen vor, vorwiegend jedoch bei Frauen nach dem 50. Lebensjahr. Man vermutet, dass als Ursache die Veranlagung eine wichtige Rolle für die Entstehung des Hallux valgus spielt. Hormonelle Umstellungen im Rahmen von Schwangerschaften, massive Überbeanspruchung (Ballett-Tänzerinnen) und äussere Faktoren wie enges, hohes Schuhwerk können diese Fehlstellung beeinflussen. Auch bei entzündlichen Erkrankungen des Vorfusses kann es infolge degenerativer Veränderungen der Zehengrundgelenke und der veränderten Fussmuskelzüge zu Spreizfussbildung mit Valgusstellung der Grosszehe kommen.
Die stabile Verankerung des ersten Mittelfussknochens und damit der Grosszehe stellt eine entwicklungsgeschichtliche Schwachstelle dar, ein Relikt aus der Zeit, als der Fuss noch ein Greiforgan war. Nimmt der Winkel zwischen dem ersten und zweiten Mittelfussknochen  zu, kommt es zum Spreizfuss und zur bekannten Ballenbildung. Durch die Abwinkelung der Knochen gerät das gesamte Sehnen- und Bandgefüge um das Grosszehengrundgelenk aus dem Lot. Die Streck- und Beugesehnen kommen seitlich ausserhalb des Grundgelenkes zu liegen, die Fehlstellung wird durch diese Fehlzüge noch verstärkt und kann sich nach einiger Zeit regelrecht fixieren. Man spricht von einer kontrakten Hallux valgus-Fehlstellung. In der Praxis ganz wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer flexiblen, nicht-fixierten und einer fixierten Hallux Valgus-Deformität.

Bei der flexiblen Deformität kann die Fehlstellung aktiv selbst oder durch den Untersucher passiv in die Normalstellung zurückgeführt werden. Diese Fehlstellungen sind einer konservativen Therapie am besten zugänglich. Am elegantesten sind Therapieformen zur aktiven Bearbeitung der Fehlstellung, z.B. Fussmuskeltraining, Spiraldynamik und Physiotherapie. Das Anpassen von Einlagen ist in der Regel ein längerer Prozess und erfordert vom Patienten als auch vom Orthopädietechniker einiges an Geduld.
Bei fixiertem Hallux valgus sind die Erfolgschancen auf konservativem Wege leider deutlich schlechter. Die Fehlstellung lässt sich von aussen nicht mehr beeinflussen. Es wird versucht, die durch die Grosszehen- und ev. Kleinzehendeformität verursachten Probleme zu reduzieren. Hier geht es also um eine reine Symptombekämpfung. Am häufigsten kommen Polsterungen, Einlagen, Gummibänder, Silikonweichbettung, Spezialschuhe und anderes mehr zum Einsatz. Ob diese Massnahmen helfen, zeigt sich individuell.

Das Ziel der Hallux-Operation ist in erster Linie die Schmerzreduktion und in zweiter Linie die ästhetische Wiederherstellung der Vorfussform. Stimmt die Ästhetik, sind in aller Regel auch die Vorfussachsen korrekt wiederhergestellt und kann eine Schmerzreduktion erwartet werden. Die Operationsdiskussion soll geführt werden, wenn die konservativen Therapieversuche nicht zu genügen vermögen. Die Deformierungsprozesse an den Vorfüssen sind meist langsam, sodass sich eine abwartende Haltung nicht automatisch negativ auf das später zu erwartende Operationsresultat auswirkt. Erst wenn der persönliche Bedarf an Information gesättigt und das Vertrauen in den Chirurgen gegeben ist, soll sich der Patient für eine Operation entscheiden.

Bei uns wird die Operation in Blutleere und Blutsperre durchgeführt, was eine blutungsfreie  und präzise Operationstechnik ermöglicht. So ergeben sich auch nach der Operation kein Bluterguss, wenig Schmerzen und die Schmerzmedikamente können auf einem Minimum gehalten werden. Mit kleinstmöglicher Schnittführung und einer speziellen Nahttechnik wird ein ästhetisch ansprechendes Resultat erreicht. Durch Anlegen eines den Vorfuss entlastenden Spezialschuhes ist es möglich, gleich am 1. Tag nach der Operation ohne Stöcke zu gehen.