Die Prothese des oberen Sprunggelenkes

Am oberen Sprunggelenk müssen verschiedene Stadien der Arthrose unterschieden werden. Im Frühstadium der Arthrose schmerzen oft nicht die Gelenksflächen selbst, sondern die Umgebung. Mit der Knorpelausdünnung nimmt die Reibung im Gelenk zu. Der Körper versucht dies durch Einschränkung der Gelenksbeweglichkeit zu kompensieren, es werden am Gelenksrand Osteophyten (Knochenspangen) angelagert. Diese sind ein sicheres Zeichen der beginnenden Arthrose und können neben der Bewegungseinschränkung auch mit der Gelenksschleimhaut einklemmen. Diese Einklemmphänomene (Impingement) treten unberechenbar auf und sind meist von stechendem Charakter. Im fortgeschrittenen Stadium der Arthrose nimmt die Knorpeldicke deutlich ab und die Knochenoberfläche infolge der Knochenanlagerung zu. Damit sinkt auch der Bewegungsumfang, das Gelenk beginnt sich einzusteifen. Im Endstadium ist die Gelenksknorpelschicht aufgebraucht, es kommt zum direkten Kontakt der Gelenksknochen.

Das Röntgenbild zeigt eine Verschmälerung des Gelenkspaltes und Knochenanlagerungen

Zur Diagnosesicherung reichen die Fussuntersuchung und ein Röntgenbild des OSG. Im Frühstadium bestehen meist eine Druckdolenz im Bereich des oberen Sprunggelenkspaltes, manchmal Reibephänomene (Crepitatio) der chronisch verdickten Gelenksschleimhaut und eventuell eine im Seitenvergleich spürbare Einschränkung der Beweglichkeit. Im fortgeschrittenen Stadium stehen der eigentliche Gelenksschmerz und die Bewegungseinschränkung im Vordergrund. Die effektive Beweglichkeit des OSG muss von der Mitbewegung der Nachbarsgelenke abgegrenzt werden.

Zur Zeit können drei Operationsmethoden bei der OSG-Arthrose angeboten werden: die sog. Gelenkstoilette, die Versteifung des Sprunggelenkes und die OSG-Prothese.

Die Gelenkstoilette kommt im Frühstadium der Arthrose zur Anwendung. Es geht dabei darum, die zum Impingement führenden Exostosen zu beseitigen und die vernarbte Schleimhaut im Bereich des vorderen oberen Sprunggelenkspaltes zu entfernen. Neben der Schmerzbefreiung kann so meist auch eine Verbesserung der Gelenksbeweglichkeit erreicht werden.

Durch die Arthrodese wird die schmerzhafte Beweglichkeit aufgehoben und so die Schmerzen dauerhaft beseitigt. Auch Achsenfehlstellungen oder Instabilitäten zusammen mit Arthrosen des OSG sind eine gute Indikation für die Arthrodese. Keine andere Operationsmethode vermag das veränderte OSG derart effektiv zu stabilisieren und die Schmerzen so sicher zu reduzieren wie die Arthrodese. Den durch die Versteifung bedingten Verlust an Beweglichkeit vermögen die dem OSG benachbarten Gelenke zum Teil zu kompensieren. (Dies kann sich nachteilig auf diese auswirken und zu vermehrter Abnutzung und Arthroseentwicklung führen). Der Rest kann durch kleine Schuhanpassungen korrigiert werden.

Bei der Prothese kann eine Restbeweglichkeit beibehalten werden. Dies entlastet die benachbarten Gelenke und ermöglicht ein natürlicheres Gangbild als die Arthrodese. Die Resultate der letzten Jahre betreffend Schmerzreduktion und Funktionalität der OSG-Prothesen sind ermutigend, so dass eine Prothese bei einer ganz bestimmten Patientenselektion in Frage kommt. Der Nachteil gegenüber der Arthrodese ist die nicht ganz so sichere Schmerzreduktion, die weniger grosse Belastbarkeit und die unsicherere Lebensdauer der Prothesen-komponenten.
Kontraindikationen für die Implantation einer Prothese sind: schlechte Restbeweglichkeit im arthrotisch veränderten OSG, Bandinstabilität im OSG, schlecht erhaltene Knochengabel, komplizierte Rückfussfehlstellungen, belastende Tätigkeit, Diabetes mellitus, Durchblutungsstörungen der Beine, chronischen Schwellungen der Beine, stattgefundenen Infektion am OSG.

Komponenten der OSG-Prothese OSG-Prothese im Röntgenbild


Die Nachbehandlung darf bei beiden Verfahren als etwa identisch bezeichnet werden. Bei gesicherter Wundheilung, d.h. nach drei bis vier Tagen, kann die definitive Stabilisierungshilfe (Stabilstiefel oder Liegegips) angepasst werden. In der Regel folgt eine vierwöchige Phase ohne Belastung des operierten Fusses. Zeigt das Röntgenbild 4 Wochen postoperativ eine beginnende Überbrückung der Gelenksknochen in eine stabile Arthrodese kann das Gewicht auf den Fuss gesteigert werden. Nach acht Wochen kann meist mit dem Gehen begonnen werden. Auch dieser Schritt braucht eine mehrwöchige Angewöhnung, sodass etwa drei Monate nach der Operation ein flüssiges Abrollen möglich sein wird. Dann ist auch der Zeitpunkt für eventuelle Schuhanpassungen gekommen.

Risiken wie Wundheilungsstörungen, anhaltende postoperative Schmerzen, Nichtzusammenheilen der Gelenksknochen bei der Arthrodese, Prothesen-lockerung oder Protheseninfekt kommen je nach Literaturangabe bei ca. 10% der Fälle vor.

Die Arbeitsunfähigkeit dauert für reine Bürotätigkeiten 2 bis 3 Wochen. Ansonsten ist mit einer längeren Arbeitsunfähigkeit zu rechnen, entsprechend der längeren Zeit der Fussentlastung. Diese muss individuell mit dem Operateur besprochen werden. Entgegen der allgemeinen Befürchtungen muss mit einer OSG-Arthrodese nicht automatisch auf sportliche Aktivitäten verzichtet werden. Tätigkeiten wie Wandern, Skifahren, Radfahren, Schwimmen usw. sind in den allermeisten Fällen durchaus möglich. Das Ziel der Operation ist die Verbesserung der Lebensqualität im Vergleich zum Zustand vor dem Eingriff. Dieses Ziel wird mit guter Häufigkeit auch für die Sportausübung erreicht.